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Geschrieben und im
„Schlittenhunde-Magazin“ veröffentlicht im Sommer 1996 (Autor:
Shewolf) |
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Sonntag,
01.10.1995, morgens: Seufzend und mit glasigen Augen stehe ich
am Arktis-Reisen-Schehle-Stand und starre zum x-ten Mal auf die Seite
„Sonderreise Iditarod“, obwohl ich sie längst auswendig kenne. Mein Sparbuch
(Passwort: Iditarod) zeigt noch nicht mal annährend den notwendigen Betrag
und ich überlege, wie lange es wohl noch dauern wird, bis es
soweit ist....... Wenige Stunden später:
Bei der Verlesung des Hauptpreises - eine Reise zum Iditarod ‘96 - fällt
unser Name. Hätte mein Mann neben mir nicht plötzlich losgejubelt, hätte ich
wohl an einen Hörfehler geglaubt. Nicht einmal einen 3er im Lotto haben wir
je gehabt, und jetzt das!! Für den Rest des Sonntags habe ich keinen
vernünftigen Satz mehr herausbekommen, obwohl ich noch nicht ahnte, daß
letztendlich das Rennen selbst für uns fast nebensächlich werden sollte...... |
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Dienstag,
27.02.1996: Nach letzten Anweisungen an meine als
Baby- und Hundesitter eingespannte Mutter verlassen wir Frankfurt - NORTH TO
ALASKA!! Todmüde und gleichzeitig völlig aufgedreht sind wir fast 20 Stunden
später endlich in Anchorage. Außer ein paar Schildern mit dem Iditarod-Logo
an der 4th Avenue, von wo aus das Rennen startet, ist von dem bevorstehenden
Ereignis noch nicht viel zu spüren. Die hier und da auftauchenden
Schlittenhunde-Trucks gehören wohl ohnehin mehr oder weniger zum Stadtbild. Nach einem ausgiebigen
Stadtrundgang am Mittwoch treffen wir Donnerstags morgens auf die
Arktis-Reisen-Gruppe. Norbert Schehle und Peter Loose beide selbst
Alaska-Fans und -Kenner und nicht zum ersten Mal beim Iditarod, sind unsere
Reiseleiter und geben uns einen kurzen Überblick über das Programm der nächsten
Tage. Die Gruppe ist bunt zusammengewürfelt und besteht aus
Alaska/Kanada-Fans,
Schlittenhunde-Freaks und anderen glücklichen Gewinnern, für die Land
und Sport völlig neu sind. Wir brechen gemeinsam auf
zu einer längeren Stadtrundfahrt mit noch längerer Einkaufsgelegenheit
(Outdoor-Fans, haltet Eure Kreditkarten in Anchorage fest, es ist ja alles
soooo billig und soooo verlockend.....). Auch ein Besuch in Rae’s Harness
Shop - dem wohl bekanntesten Hundesportausrüster in Anchorage - steht auf dem Programm. Hierher werden wir
2 Wochen später nochmal zurückkehren...Sonstige Daten und Fakten über
Anchorage spare ich mir an dieser Stelle, die sind ohnehin in jedem
Reiseführer nachzulesen. Nur soviel: die Stadt ist durchaus sehenswert: ihre
Lage zwischen Cook Inlet und Chugach Mountains, ihre Museen, ihre
Wandmalereien , ihre Umgebung und nicht zuletzt ihre freundliche und immer zu
einem Plausch aufgelegte Bevölkerung. Allerdings - selbst mit flüchtigem
Touristenblick sind auch die sozialen Probleme der Stadt nicht zu übersehen.
Mit diesem Thema muß man sich aber intensiver beschäftigen, um nicht
vorschnell über die eine oder andere Bevölkerungsgruppe zu urteilen...... |
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Donnerstag,
29.02.1996, abends: Das erste Highlight der Reise erwartet
uns: Musher’s Banquet. Nach dem Abendessen und ein paar Dankesreden an die
Sponsoren des Rennens erste Spannung bei der Vergabe der Startnummern. Nach
und nach werden die bekannten und weniger bekannten Namen der Teilnehmer
aufgerufen, die dann auf der Bühne ihre gezogene Startnummer bekannt geben
und ihren Helfern und Sponsoren danken. Jeff King ließ seine
Nummer von seinem Idita-Rider (der Passagier auf der ersten Etappe von
Anchorage nach Eagle River), einem leukämie-kranken kleinen Jungen ziehen.
Der Kleine hatte die Schlittenfahrt von einer amerikanischen Organisation
bekommen, die todkranken Kindern ihren größten Wunsch erfüllt. Anchorage
Daily News schrieb später, daß Jeff King von ihm einen Talismann für den
Trail bekommen hatte, der ihm ja offensichtlich auch geholfen hat. Vor diesem
Hintergrund fanden wir King’s Sieg später doppelt so schön....... |
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Freitag,
01.03.1996: Einige von uns machen einen Ausflug zum
Portage-Gletscher. Wir fahren die Küstenstraße von Anchorage Richtung Seward
entlang. Hinter jeder Kurve bietet sich ein neuer atemberaubender Blick auf
die umliegenden Berge. Im Informationszentrum des Gletschers lassen wir uns
per Film über Alaskas Gletscher im allgemeinen und diesen im besonderen
aufklären, bevor sich die Leinwand hebt und einen großartiges Panorama
freigibt. Erwartungsgemäß ist wegen Schnee und Eis die Gletscherabbruchkante
nicht deutlich auszumachen, dennoch ist der Ausblick wunderschön. Auf dem
Rückweg nach Anchorage machen wir noch einen Abstecher zum Alyeska Resort ,
wo wir mit der Kabinenbahn durch die tiefhängenden Wolken hindurch in das
Skigebiet hinauffahren. Wieder bietet
sich ein traumhaftes Bild auf die Gebirgszüge ringsherum, deren Gipfel aus
den Wolken herausragen und von der langsam untergehenden Sonne allmählich
rosarot gefärbt werden. Zurück in Anchorage gehen
wir - jetzt wieder alle gemeinsam - in er Sourdough Mining Company essen. In
uriger Atmosphäre lassen wir es uns bei alaskanischen Fisch- oder
Fleischgerichten und einigen Pints alaskanischem Bier gutgehen. Auf der Fahrt
hierher begegnen uns schon unzählige mit Schnee beladene LKW. Jetzt - am
Abend vor dem Start- sind insgesamt 90 LKW unterwegs um für das Rennen Tonnen
von Schnee auf die 4th Avenue zu bringen. Gleich nach dem Start am
Samstag wird der Schnee wieder aus der Stadt herausgebracht - ein schier
unglaublicher Aufwand. Aber für ihr Iditarod scheint den Alaskanern nichts zu
viel zu sein. Wir hatten auch schon vorher bei unseren Ausflügen in die Stadt
den Eindruck, daß das Rennen in aller Munde ist und jeder irgendwie, irgendwo
hilft wenn er kann. |
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Samstag,
02.03.1996 Der große Tag! Das Wetter ist wie schon in
den letzten Tagen phantastisch. Blauer Himmel, Sonne und Temperaturen knapp
unter dem Gefrierpunkt (für die Hunde natürlich eigentlich viel zu warm, für
die Zuschauer nicht unangenehm). Nach einem ausgiebigen
amerikanischen Frühstück fahren wir in die Innenstadt. Die halbe Stadt und
mehr ist schon auf den Beinen. Auf den ersten Blick ein heilloses
Durcheinander von Menschen, Trucks und Hunden. Die Musher haben ihre
Standplätze zugewiesen bekommen und beginnen langsam unter den neugierigen
und interessierten Blicken von uns Touristen die Hunde aus den Boxen zu nehmen
und anzuketten. Offizielle und Helfer kontrollieren Teams und Ausrüstung. Die
meisten Hunde nehmen - zumindest äußerlich - den ganzen Trubel noch relativ
gelassen hin. Wir beginnen, nach einem
günstigen Beobachtungsplatz Ausschau zu halten und entscheiden uns
schließlich für die 2. Etage des direkt an der 4th Avenue gelegenen
Parkhauses. Von hier aus hat man die Startlinie und einen großen Teil der
Straße im Blick. Die Polizei bemüht sich, das Verkehrschaos in Grenzen zu
halten, indem sie immer wieder die Kreuzungen über die 4th für einen Moment
für den Querverkehr freigibt. 10.00 Uhr - das Rennen
beginnt. Jetzt ist die allgemeine Nervosität überall zu spüren. Rund um die
Startlinie herrscht ein Höllenlärm. Mensch und vor allem Hund können es kaum
noch abwarten, bis es endlich losgeht. Die Teams werden nach und nach von
Freunden und Doghandlern der Musher Richtung Startplatz geführt. Die Hunde
sind zum größten Teil kaum zu bremsen und springen wie wild in ihre
Geschirre. Jeder Kritiker von Hunderennen sollte sich eine solche Szene mal
ansehen und dann noch behaupten, die Hunde seien nicht mit Freude und
Motivation bei der Sache! Nach der amerikanischen
und alaskanischen Hymne Countdown für
Startnummer 1; diese ist wie immer unbesetzt, es ist eine „Ehrenstartnummer“,
die jedes Jahr zu ehren eines Mushers vergeben wird, der sich um den
Schlittenhunde im Allgemeinen und den dazugehörigen Sport im Besonderen
besonders verdient gemacht hat; Leonard Seppala ist beispielsweise 1976 schon
mit diesen Nummer „gestartet“. Die Nummer 2 ist schon eine der Favoriten:
DeeDee Jonrowe. Die Zuschauermenge am Straßenrand jubelt ihr wie auch allen
folgenden auf dem Weg die 4th Avenue hinunter zu; einige rufen „good luck“
oder „see you in Nome“ . DeeDee Jonrowe folgen im Abstand von jeweils 2
Minuten Charlie Boulding, Mitch Seavey, Jack Berry, Linwood Fiedler und 55
weitere Musher. Im „Mittelfeld“ starten Jeff King (19), Vorjahressieger Doug
Swingley (21) und Martin Buser (25);
Mitfavorit Rick Swenson startet erst mit Nummer 55. Alle Teams starten für
die erste Etappe nur mit maximal 12 Hunden und haben ihren Idita-Rider im
Schlitten (die Fahrt wird in Amerika für eine Menge Geld versteigert, das
Interesse ist riesengroß, der Preis steigt angeblich mit dem Bekanntheitsgrad
des jeweiligen Mushers). Außerdem fährt bei jedem Team noch ein Doghandler
mit, die meisten davon auf einem zweiten, angehängten Schlitten. Das soll
erstens die Geschwindig-keit auf den
ersten Meilen reduzieren und dient zweitens der Sicherheit, diese ersten
Meilen mit den Zuschauern überall und den Verlockungen und Ablenkungen der
Stadtszenerie sind für die Hunde sicherlich die stressigsten. Während die Aktiven auf
dem Weg nach Eagle River sind, wo Hunde und Ausrüstung wieder in Trucks
verladen werden und zum Restart nach Wasilla gebracht werden, machen wir uns
auf den Weg durch das Mat-Su-Valley nach Wasilla um uns dort am nächsten Tag
den „richtigen“ Start anzusehen. Erst hier - beim Restart - läuft die Uhr.
Der Start in Anchorage ist - wenn auch beeindruckend - letztlich nur eine
Medien- und Touristenshow (wohl auch ein Zugeständnis an die Sponsoren). In
Alaska werden mittlerweile schon Stimmen laut, die befürchten, daß das
Iditarod über kurz oder lang zum reinen Kommerzspektakel verkommt. Hoffen wir,
daß dem rechtzeitig noch Einhalt geboten wird. Während der Fahrt nach Wasilla überholen wir einige Teams; der Trail führt
hier teilweise über Wege unmittelbar neben der Straße. Den Nachmittag nutzen wir,
um uns in Wasilla das Headquarter des Iditarod anzusehen und uns mit
Geschichte und Geschichten rund um das Rennen zu versorgen. Einige von uns
decken sich zum soundsovielten Male mit Bergen von Souvenirs ein (dieser
Virus ergriff zuerst unseren Schweizer Mitreisenden, sprang dann aber
unerbittlich auf alle über....). Der Spaziergang vom Headquarter über den
vereisten und verschneiten Lake Lucille war traumhaft. Die Bergkulisse rund
um den See - wieder in abendliches Sonnenlicht gehüllt - zeigte sich von
ihrer schönsten Seite. |
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Sonntag,
03.03.1996 Im kleinen Städtchen Wasilla herrscht
Trubel, zwar nicht annährend soviel wie in Anchorage, aber genug, um
Festtagsstimmung aufkommen zu lassen. Auf dem Weg zum Startplatz stehen am
Straßenrand ein paar Trucks mit Hundebabys auf der Ladefläche. Offenbar
handelt es sich um nicht ganz geplanten Nachwuchs, denn die kleinen
Fellknäule werden zum Teil verschenkt und die Informationsschilder an den
Fenstern beschreiben kuriose Mischlinge. Dennoch - allesamt sind die Kleinen
zum Knuddeln, was wir dann auch ausgiebig tun, bevor wir uns gegenseitig zu
Vernunft ermahnen und den Weg zum Startplatz fortsetzen (unnötig zu erwähnen,
daß sich dieses Spielchen an jedem mit Hunden besetzten Pick-Up
wiederholte.....). Von hier aus starten die
Teams komplett, d.h. mit vorwiegend 16 Hunden und vollständiger Ausrüstung.
Die Rennregeln schreiben für jeden eine „Grundausrüstung“ vor, die aus
Werkzeug, Kleidung, Arktis-Schlafsack, Booties und Futter in bestimmter Menge
und anderen Gegenständen besteht. Diese Standardausrüstung wird an jedem
Checkpoint auf Vollständigkeit überprüft. Darüber hinaus sind die Schlitten
noch mit Kocher, Ersatzkleidung und persönlichen Dingen beladen, so daß Hunde
und Fahrer mit schwerem Gepäck zu kämpfen haben. Wir haben beschlossen,
uns hier nur die ersten ca 25 Starts anzusehen und dann weiter nach Knik zu
fahren, wo wir ein Stück hinter dem Checkpoint die vorbeifahrenden Teams
sozusagen auf „freier Strecke“ nochmal sehen können, bevor sie endgültig in
die Wildnis verschwinden. Ich kann mir vorstellen, daß die Musher froh sind, wenn
sie diese Etappe hinter sich haben und endlich mit sich und den Hunden allein
sind. In der Musher’s Hall of Fame in Knik gibt’s nochmal Erinnerungsstücke
und Geschichten aus vorherigen Rennen zu bewundern. Für den Nachmittag ist
ein besonderer Besuch geplant: Dr. Leech, Tierarzt und ehemaliger
Chef-Veterinär beim Iditarod hat sich freundlicherweise, obwohl es immerhin
Sonntagnachmittag ist, bereit erklärt, uns seine Klinik in Big Lake zu
zeigen. Die Klinik ist supermodern eingerichtet und hier werden offenbar auch
kleine Wunder vollbracht. Doc Leech zeigt uns beispielsweise eine
Röntgenaufnahme von einem Schlittenhund, dessen Hinterbein 12 x (!) gebrochen
war. Der Hund bekam Platten und Schrauben eingesetzt, sowie ein externes
Metallgestell, um das Ganze zusammenzuhalten und ist heute geheilt und läuft
wieder im Team! Während man Dr. Leech anmerkt, daß sein Beruf wirklich
Berufung ist, kommen wir aus dem Staunen nicht raus. |
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Montag,
04.03.1996 Nächster Programmpunkt: Flug zum
Checkpoint Skwentna. Vom Flugplatz Big Lake aus starten wir in Gruppen von
3-4 Leuten per Buschflieger nach Skwentna. Man sagt, es gebe zwei Arten von
alaskanischen Buschpiloten: die einen haben ihren Absturz schon hinter sich,
die anderen haben ihn noch vor sich. Wir werden unserem Piloten Bob
vorgestellt und er paßt rein optisch genau in das Klischee „alaskanischer
Buschpilot“. Ich kann mir gerade noch verkneifen, zu fragen, zu welcher
Kategorie er gehört...... Von oben wirkt das Land
noch weiter, noch leerer, noch stiller. Das einzig Störende sind die Narben,
die die Schneemobile in der ansonsten unberührten Schneedecke hinterlassen.
Schade eigentlich, daß diese lärmenden und stinkenden Vehikel so weit
verbreitet sind. Zugegeben - sie sind das ideale Transportmittel dort oben,
trotzdem haben wir alle sie als ausgesprochen lästig empfunden (auch wenn ich
ehrlicherweise eingestehen muß, daß ich durchaus in dieser Beziehung ein
gewissen Verständnis für die Alaskaner habe; als Motorradfahrerin
mußte ich natürlich Snowmobile-fahren auch mal ausprobieren und es macht
verflixt viel Spaß). Zurück zum Flug: da das
Wetter uns wieder mal hold ist, haben wir während des ganzen Fluges einen
phantastischen Ausblick auf die Bergketten um uns herum. Sogar Mount Mc
Kinley - oder Denali - zeigt sich vollständig und bis zum Gipfel wolkenlos in
seiner ganzen Pracht. In Skwentna angekommen
stellen wir fest, daß der größte Teil der Musher den Checkpoint bereits
längst wieder verlassen hatte. Etwa 10 Teams sind noch dort. Die Hunde
schlafen in der Sonne auf ihren Strohbetten und blinzeln nur gelangweilt in
unsere Kameras. Ein paar Musher liegen auf ihren Schlitten und ruhen sich
aus, bei anderen herrscht schon
geschäftiges Treiben und
Aufbruchstimmung. Einige wenige Hunde sind schon hier zurückgelassen worden,
allerdings gab es bis hierher noch keine größeren Probleme - dachten wir und
hörten wir hier zunächst. Daß es in der Nacht auf dem Yentna-River schon
einen fatalen Zwischenfall gegeben hatte, sollten wir erst später erfahren. Inzwischen packen auch
die letzten ihre sieben Sachen zusammen und machen sich abfahrbereit. Die zu
den Checkpoints vorausgeschickten Säcke mit Futter etc. werden jetzt mit dem
verbleibenden Müll gefüllt und auf
Stapeln gesammelt. Alles in allem wird der Lagerplatz ordentlich
verlassen. Ein paar übriggebliebene und unter dem Stroh verborgene Futterreste
machen den herausfahrenden Mushern teilweise zu schaffen, weil die Hunde sich
dafür natürlich brennend interessieren und -statt geradeaus den Fluß
hinunter-schnüffelnd in Schlangenlinien durch die Strohreste laufen. Der Rückflug nach Big
Lake beschert uns zwar wieder ausgesprochen schönes Wetter, aber doch einige
kleinere Turbulenzen. Dieses Mal sitze ich im Flieger gleich neben Bob, der
mich einen Moment lang steuern läßt, was eine ohnehin schon etwas grünlich
gewordene Mitreisende zu einem „oh Gott, nein“-Ausruf veranlaßt. Ich bin viel
zu sehr damit beschäftigt, das Steuer zu umklammern, das kleine Maschinchen
gerade zu halten und aus dem Fenster zu starren, um mir irgendwelche Sorgen
zu machen. Kurz vor der Landung in
Big Lake wird es dann doch noch mal etwas wackliger und auch ich greife
verstohlen in die Jackentasche und krame meine Reisekaugummis hervor, die
mich dann wohl vor Schlimmerem bewahren. Den Rest des Tages
verbringen wir mit einem Besuch in einer kleinen Bildergalerie, in der Jon
van Zyle an diesem Tag seine Bilder signiert. Van Zyle, selbst
Iditarod-Teilnehmer 1976,malt seit Jahren die jeweiligen offiziellen
Iditarod-Poster. Seine Bilder - hauptsächlich von Wölfen, Schlittenhunden und
Teams auf dem Trail - drücken auf einzigartige Weise Stimmungen von
Einsamkeit, Naturverbundenheit und der Schönheit des Nordens aus, die mit
Worten wohl kaum zu beschreiben sind. Die letzten Aktivitäten
des Tages bestehen bei den meisten von uns- wie könnte es anders sein- in Shopping
und Souvenir-Jagd, wobei einige der Männer nur schwerlich aus dem örtlichen
Waffenladen mit den ja „ach so billigen“ und „ach so guten“ Taschenmessern
herauszubringen sind. Mittlerweile hören wir
schon vage Gerüchte, daß Rick Swenson in der vergangenen Nacht auf dem Yentna
River in einen Overflow geraten sein soll und einen seiner Hunde verloren
hat. Gemäß einer in diesem Jahr in Kraft getretenen Rennregel wäre das
vermutlich das Aus für ihn. |
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Dienstag,
05.03.1996 Zeitungen und Fernsehen bestätigen die
schlimmsten Befürchtungen: Swenson ist raus! Bedingt durch das „schlechte“
-weil für das Rennen viel zu warme - Wetter, ist unter anderem die Eisdecke
auf dem Yentna-River nicht so geschlossen und zuverlässig wie sie sein
sollte. Tatsächlich war Swenson in der Nacht zum Montag auf dem Yentna in
einen ca 3 Fuß tiefen Overflow gefahren und nachdem er sich und sein Team
dort wieder herausmanövriert hatte, hing einer seiner Hunde - die 3 Jahre
alte Ariel - leblos im Geschirr. Er versuchte noch 10 Minuten lang sie wieder
zu reanimieren, aber ohne Erfolg. So kam er mit dem toten
Hund nach Skwentna, wo Ariel obduziert werden sollte, um die Todesursache
festzustellen. Die Obduktion ergab, daß sie angeblich weder durch Ertrinken,
noch durch Strangulieren gestorben sei, somit bleibt die Todesursache-
zumindest nach unseren Informationen - unbekannt. Rick Swenson fuhr
zunächst noch weiter bis Rainy Pass, wo er die Nachricht von seiner
endgültigen Disqualifikation erhielt. Die Meldungen und Stellungnahmen überschlagen
und wiedersprechen sich. Einige sprechen von schlecht markiertem Trail und
widersprüchlichen Informationen durch die Checker in Yentna, andere sprechen
schlicht von Pech. Einig sind sich sowohl Medien als auch Swensons
Musher-Kollegen in einem: bei einem solchen
Rennen (und übrigens auch bei Trainingsläufen) kann ein derartiger
Unfall einfach passieren. Es ist immer tragisch, wenn so etwas passiert und
ist leider – auch in Alaska - den
Renngegnern Öl auf ihre Lampen, aber mit einer Disqualifikation ist auch
niemandem geholfen. Besonders Rick Swenson hat in 20 Jahren Iditarod-Praxis
seine Fähigkeiten ein Team zu führen wohl genügend unter Beweis gestellt. Für jemanden wie ihn ist
es wahrscheinlich Strafe genug, überhaupt einen Hund auf diese Weise zu
verlieren, ohne auch noch durch eine fragwürdige Rennregel gestoppt zu
werden. Verbittert kündigt Swenson später an, daß nach all den Jahren und 5
Siegen für ihn das Thema Iditarod abgeschlossen ist. Es wäre Schade, wenn er
die Ankündigung wahr macht. Ein paar von unserer
Gruppe nehmen heute noch die Gelegenheit wahr, in einem Schlitten
mitzufahren, der Rest der Leute - so auch wir - fahren zurück nach Anchorage.
Wir haben noch ca. 2 Wochen vor uns, und so können wir das Programm langsam angehen
lassen. |
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Am nächsten Morgen, Mittwoch,
verabschieden wir uns von der Gruppe, die sich größtenteils schon heute nacht
auf den Heimweg macht. Wir mieten uns einen Jeep und machen uns auf den Weg
Richtung Fairbanks, wo wir hoffen, am Wochenende noch einen Teil der
Sprintrennen mitzubekommen. Unterwegs halten wir in Big Lake nochmal bei Dr.
Leech und fragen ihn - ganz unverbindlich - nach den Möglichkeiten und
Voraussetzungen einen Hund mit nach Deutschland zu nehmen und bitten ihn, uns
eine Adresse eines Sibirian-Kennels zu geben. Eigentlich haben wir nicht
ernsthaft vor, uns dieses Mal schon einen oder mehrere Hunde mitzunehmen,
aber da es längst beschlossene Sache für uns ist, daß dies nicht der letzte
Alaska-Aufenthalt für uns sein würde, kann es ja nicht schaden, sich schon
mal umzusehen. Auf Dr. Leechs Empfehlung
landen wir im Kennel der Norris - zwei ganz lieben älteren Leutchen, die ihr
Leben lang mit Schlittenhunden gearbeitet haben und im Moment über 100
Sibirians im Kennel stehen haben. Martin Buser hat hier bei Earl Norris
zuerst als Doghandler seine ersten Geh- bzw. Mushversuche in Alaska gemacht.
Wir machen einen kleinen Rundgang, schauen uns die Hunde an – allesamt
prächtige Tiere wie aus dem Bilderbuch und unterhalten uns eine Weile mit
Mrs. Norris. Danach beschließen wir - ohne auch nur einen Vergleich mit
anderen Kennels zu machen - wenn wir uns je Hunde aus Alaska holen sollten,
dann von hier. Die weitere Fahrt
Richtung Norden führt uns bei immer noch wunderschönem Wetter und klarer
Sicht vorbei am Denali Nationalpark nach Healey, einem Nest „in the middle of
nowhere“, wo wir übernachten. Unterwegs halten wir ein paar Mal für eine
Weile,um die Aussicht auf die Bergkette zu genießen. Weiter geht’s am nächsten
Morgen nach Nenana. In Wasilla hatten wir zufällig Andy Hütten kennengelernt,
einen Deutschen, der das Winterhalbjahr hier oben auf seinem Grundstück in
der Nähe von Nenana verbringt und in der nächsten Saison auch
Schlittenhunde-Touren von hier aus anbieten will. Sein momentaner Helfer
Wolfgang, der im Sommer eine Berghütte in Bayern bewirtschaftet, jetzt Urlaub
macht und bei der Gelegenheit im Kennel aushilft, hatte sich in Wasilla ein
paar Tage lang unserer Gruppe angeschlossen. Spontan beschließen wir, die
beiden zu besuchen. Wir werden herzlich aufgenommen und verbringen einen
großen Teil des Tages dort. Andy lädt uns ein, ihn
auf zwei seiner Trainingsfahrten am Nachmittag zu begleiten, was wir
begeistert annehmen. Es stellt sich heraus, daß es garnicht so einfach ist,
auf einem zweiten, angehängten Schlitten mitzufahren, weil man hauptsächlich
damit beschäftigt ist darauf zu achten, daß man dem Vordermann nicht den
Brushbow in die Beine rammt. Als „Selbst-fahrer“ sieht man eben immer
rechtzeitig, wann bremsen angesagt ist..... Trotzdem überstehen alle
Beteiligten die Fahrten ohne Blessuren,und wir sind einfach nur begeistert
von den sich hier oben bietenden Trainingsmöglichkeiten. Andy erzählt uns von
seinen Plänen für geführte, mehrtägige Touren,und in meinem Kopf tun sich
schon wieder neue Urlaubspläne auf..... Mittags gehen wir mit
unseren Gastgebern essen, und Andy hält noch eine kleine Überraschung bereit:
er lädt seinen Nachbarn mit zum Essen ein und es stellt sich heraus, daß dies
kein geringerer als Jerry Riley, ehemaliger Iditarod-Teilnehmer und Sieger
1976 ist. Somit bekommen wir noch ein paar Geschichten sozusagen aus erster
Hand zu hören. Am Abend fahren wir
weiter nach Fairbanks und nutzen den nächsten Tag - Freitag - dazu, uns die
Stadt anzusehen. Hier haben wir nun auch endlich die Temperaturen, die wir
eigentlich schon vorher erwartet hatten. Natürlich halten wir uns
weiterhin über die Geschehnisse im Iditarod auf dem Laufenden. Am frühen
Freitag morgen sind die ersten 5 in Ruby - auf der Hälfte der Strecke - im
Abstand von weniger als 2 Stunden angekommen. Auf Martin Buser, dem ersten,
der in Ruby ankam wartet ein luxuriöses 7-Gänge-Menü, gestiftet und
arrangiert vom Regal Alaskan Hotel in Anchorage. Ich kann mir ein gewisses
Triumphgefühl nicht verkneifen. Längst hat sich ein kleiner Familieninterner
Wettbewerb entwickelt: während Martin Buser „my favorite“ ist, würde mein
Mann DeeDee Jonrowe am liebsten als erste die Front Street in Nome
herunterlaufen sehen.......... Den Samstag verbringen
wir als Zuschauer beim Sprintrennen in Fairbanks, wo wir gerade rechtzeitig
kommen, um Stefan Bittl starten zu sehen. Außerdem gibt’s in Fairbank noch
einen Dog-Pulling-Wettbewerb. Hier sind die Hauptakteure natürlich Malamutes
und andere „große Brocken“. Ein 110-pfünder hat es uns besonders angetan. So
gefährlich er auch aussieht, so verspielt und verschmust ist er. Die Hunde
werden teilweise in Teams zu dritt zusammengefaßt und müssen steigende
Gewichte ziehen. Das Schwierigste für die Besitzer ist dann, die Kraftprotze
hinter der Ziellinie wieder zum Stehen zu bringen. Da für Sonntag abend
unser Flug nach Nome angesagt ist, wird es jetzt allmählich Zeit, sich auf
den Rückweg zu machen. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, wollen wir
nicht denselben Weg zurück nehmen, den wir gekommen sind, sondern noch eine
Schleife über Glenallen und Palmer zurück nach Anchorage machen, nicht
ahnend, was uns diese Entscheidung bescheren würde....... Die Rückfahrt wird
ziemlich anstrengend, weil das Wetter umschlägt und es schneit und schneit
und schneit. Kurz vor Palmer werden die Straßenverhältnisse wieder besser. In
einer Kurve in Moose Creek steht plötzlich wie aus heiterem Himmel ein Hund
mitten auf der Straße. Wir bremsen und schlagen einen Haken, um den Kerl
nicht zu überfahren. Im Rückspiegel sehe ich, daß er sich nicht vom Fleck
rührt. Mein Mann hält an und fährt ein Stück zurück, um ihn wenigstens
irgendwie aus der Kurve wegzubringen. Er sieht uns zurückkommen und rennt im
gestreckten Galopp auf uns zu. Vorsichtshalber - man weiß ja nie- lasse ich
nur mein Seitenfenster herunter. Bevor ich noch begreife wie mir geschieht,
sitzen mit einem Hops etwa 30 Kilo Hovawart auf meinem Schoß, schauen mich an
mit einem „hier-bin-ich-du-kannst-fahren“Blick. Jetzt ist guter Rat teuer
(noch wußten wir nicht, wie teuer). Wir klingeln die Besitzer des
nächstbesten Hauses heraus, die auch bereitwillig und hilfsbereit in der
Nachbarschaft herumtelefonieren, um festzustellen, ob irgendjemand einen Hund
vermißt. Nichts. Auf Empfehlung der Hausbesitzerin bringen wir den „Kleinen“
nach Palmer zu den State Troopers, wo ein sehr freundlicher Polizist sich des
Hundes annimmt und ihn ins örtliche Tierheim bringt. Nicht wissend, daß er
unsere Gedanken gelesen hat, meint er, der Hund habe uns wohl adoptiert und
gibt uns die Telefonnummer vom Tierheim, wo wir dann Montags anrufen können.
Beruhigt und im Glauben das Bestmögliche getan zu haben, fliegen wir nach
Nome. Kurz vor dem Abflug trauen wir uns endlich, uns gegenseitig
einzugestehen, daß wir durchaus nicht abgeneigt wären, nicht allein zurück
nach Deutschland zu fliegen...... Ein vorsorglicher Anruf
bei Dr. Leech (That’s not exactly what you planned, is it?) ergibt, daß die
Ausfuhr eigentlich kein Problem ist.... |
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Montag,
11.03.96 Vom Nugget Inn in Nome aus rufe ich im
Tierheim an, um dem Diensthabenden mitzuteilen, daß wir den Neuankömmling
Freitags abholen werden, wenn sich kein Besitzer gemeldet haben sollte. Mr
Scott eröffnet mir, das sie - gemäß ihrer Regeln - Hunde ohne Halsband nach 3
Tagen einschläfern. In unserem Fall wäre das der Mittwoch gewesen. Ich
versuche noch, ihn zu überzeugen, daß wir ja schließlich extra fürs Iditarod
hier sind und auch gerne das Finish sehen möchten und wir auch keine
Möglichkeit haben, die geforderten 20 USD Kaution zu hinterlegen. Pech
gehabt, er läßt sich nicht überzeugen. Entnervt lege ich auf und gehe ins
Zimmer zurück. Nachdem ich meinem Mann von dem deprimierenden Gespräch
erzählt habe, zögert er keine Minute: „Weißt Du was? Vergiß das Finish, wir
fliegen zurück!“ Sag’ ich doch! Also -
Klamotten packen, Hotel stornieren (das Personal ist etwas irritiert). Ich
gehe noch einmal ins Iditarod Headquarter um mich an der Anzeigetafel über
die letzten Standings zu informieren. Dort werde ich von dem neben mir
stehenden Mann angesprochen und gefragt, woher ich komme, ob ich extra für’s
Finish hier sei usw. Ich erzähle ihm in Stichworten, was uns widerfahren ist,
worauf er sich als Bill Roth, Fotograf der Anchorage Daily News, vorstellt
und mich mit zum Pressetisch schleppt. Zusammen mit einer Helferin der
Rennorganisation namens Joyce überlegt Bill, wie wir das Problem lösen
könnten. Schließlich rufen die beiden bei Mr Scott im Tierheim an und geben
ihm - wie die Amerikaner sagen - a hard time. Nach etwa einer viertel
Stunde, diversen mehr oder weniger beiläufigen Bemerkungen über mögliche
„freundlichen“ Zeitungsartikeln und
Diskussionen über den Sinn und Unsinn von strikter Regelbefolgung
erklärt sich Mr Scott schließlich gnädig bereit, den Hund für uns bis
Donnerstags am Leben zu lassen. Sprachlos von soviel Hilfsbereitschaft und
Freundlichkeit von Joyce und Bill renne ich zurück ins Hotel, stelle unsere
Reservierung wieder her. Ich sehe deutlich „die
spinnen, die Touristen“ im Blick der Angestellten. Der nächste gut zu
deutende Blick ist der meines Mannes: „wenn man Dich schon mal alleine
losgehen läßt“. Wir sind happy und beruhigt und versuchen, uns wieder auf die
Neuigkeiten aus dem Rennen zu konzentrieren. Mittlerweile kursieren
Gerüchte, daß einige Musher zwischen Unalakleet und Shaktoolik Eisbären
gesehen haben. Zunächst als Halluzinationen übermüdeter Fahrer abgetan,
wächst doch die Beunruhigung, als immer mehr Sichtungen gemeldet werden.
Irgendwelche Zwischenfälle hat es aber wohl nicht gegeben. Wir schlagen inzwischen
in Nome die Zeit mit Sightseeing tot und holen uns immer mal wieder neueste
Informationen aus dem Headquarter. |
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Dienstag,
12.03.1996 Wenn nichts Ungewöhnliches mehr passiert,
wird Jeff King als erster durch den hölzernen Bogen auf der Front Street
fahren. Er wird gegen Nachmittag erwartet. Martin Buser und DeeDee Jonrowe
haben sich in der Gegend von Golovin verfahren und damit entgültig keine
Chance mehr auf den Titel (womit der Familienfrieden widerhergestellt ist). Gegen 14.00 Uhr füllt
sich die Front Street langsam mit Zuschauern, die gespannt und frierend auf
die Sirene warten, die ertönt, wenn ein Musher ca 2 Meilen vor der Stadt gesichtet
wird. Etwas mehr als eine Stunde später ist es dann soweit und um ca. viertel
vor 4 kommt ein offensichtlich müder aber glücklicher Jeff King mit einem
Restteam von 6 Hunden in Sicht. Er ist damit außer Rick Swenson, Susan
Butcher und Martin Buser der einzige, der das Iditarod mehr als einmal
gewonnen hat. Die mehr als 1000 Zuschauer jubeln und rufen ihm Glückwünsche
zu. Ein paar Alaskaner äußern auch, daß sie froh sind, den Titel wieder in
Alaska zu haben (Vorjahressieger Doug Swingley ist aus Montana). Kings Hunde
werden sofort von Helfern in Empfang genommen und - mit Ausnahme der
Leithunde - weggebracht, während der Sieger sich von seiner Familie begrüßen
läßt und sich dann dem Pulk der Reporter stellt, unter ihnen in diesem Jahr
auch Susan Butcher. Danach werden die Hunde mit dem obligatorischen
Siegerkranz behängt und zusammen mit dem Herrn zur Fotosession freigegeben. Drei Stunden später folgt
Doug Swingley, dann mit Abstand von etwa 8 Stunden Martin Buser, kurz danach
Tim Osmar und DeeDee Jonrowe. Abgesehen vom Können der Musher hat in diesem
Jahr offenbar noch das Wetter eine entscheidende Rolle gespielt. Diejenigen,
die in den eher wärmeren Regionen Alaskas trainieren, waren bei den
Witterungsbedingungen dieses Rennens im Vorteil, weil ihre Hunde an die
relativ hohen Temperaturen um den Gefrierpunkt schon gewöhnt waren. Nachdem wir nun
wenigstens den Zieleinlauf der Ersten noch gesehen haben, machen wir uns
etwas verfrüht auf den Rückweg nach Anchorage. Wiederum mit gemietetem Jeep
fahren wir raus nach Palmer und holen unser neues Familienmitglied. Ganz
offensichtlich erkennt er uns, denn einen kurz vor uns am Käfig
vorbeilaufenden Besucher beachtet er überhaupt nicht, während er - kaum daß
wir in seiner Sichtweite sind - wie wild wedelt und bellt und hüpft. Wir haben inzwischen
natürlich bei Rae’s Shop schon Halsband, Leine, Futter und Transportkiste
gekauft. Nach ein paar kleineren Formalitäten gehört er endlich uns. Wir
haben schon vorher beschlossen, ihn zu Ehren des so freundlichen Polizisten
„Trooper“ zu nennen. Der nächste Weg führt uns nochmal zu Doc Leech, der uns
schmunzelnd empfängt und Trooper nach eingehender Untersuchung beste
Gesundheit und ein Alter von ca 10 Monaten bescheinigt. Nach einer Tollwutimpfung
sind nun endlich alle Hindernisse beseitigt und wir machen uns auf den Weg
ins Hotel nach Anchorage. Hier treffen wir zufällig noch mal Norbert Schehle,
dem vor Überraschung fast die Augen aus dem Kopf fallen. Wir hatten ihm zwar
in Nome schon von unserem Erlebnis berichtet, daber ich glaube, er hatte nicht
ernsthaft erwartet, daß wir den Hund wirklich abholen würden. |
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Letztes
Abenteuer: Heimflug. Eine Nachfrage bei der SAS hatte ergeben,
daß wir für Hund und Box insgesamt 660 USD zu bezahlen hatten (SAS-Agent:
hätten Sie nicht einen kleineren Hund finden können? Ich: nicht wir haben
ihn, sondern er hat uns gefunden.....). Dagegen waren die 50 Dollar, die die
Alaska Airlines verlangte „Peanuts“. Am Flughafen Seattle
frage ich beim Check - In, wie es denn wohl aussehe mit einer kleinen
Ermäßigung für Kollegen? Nein, nein, auf Fracht gebe es keine Ermäßigung, war
die Antwort, entweder alles oder nichts. Seufzend griff ich zur Kreditkarte,
da unterbrach mich die Dame : heute berechnen wir nichts. Ungläubig starre
ich sie an,stammele ein Dankeschön und begreife daß diese Reise vom Gewinn im
Oktober angefangen bis zur Rückkehr ein einziger Glücksfall war............ Trooper hat sich übrigens
bestens bei uns eingelebt, versteht sich prima mit unserem Sibirian, unsere
Kinder haben sich ein Loch in den Bauch gefreut, meine Mutter konstatierte,
uns könne man auch nicht alleine weglassen und einige Freunde von uns meinen,
daß Trooper genau wußte, was er tat, als er ausgerechnet uns ins Auto
sprang........... Soviel zu unserer
Iditarod-Reise,die buchstäblich von Anfang bis Ende etwas Besonderes war. Zum Schluß möchte ich
noch allen, die einmal zum Iditarod fliegen möchten ans Herz legen, sich auf
keinen Fall die Verlängerung entgehen zu lassen. Erstens ist das Rennen ohne
das Finish nur der halbe Spaß und zweitens weiß man ja nie, was einem noch so
alles passieren kann….. |
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Nachtrag
2008-05-15 Trooper hat sich
in seinen jungen Jahren als bester Schlittenhund von allen erwiesen. Nicht
nur, dass er sich mit Amigo und allen, die danach kamen, bestens verstanden
hat, nein – er hat auch von Amigo alles Wichtige gelernt und war der
kommandosicherste Hund am Fahrrad, den ich je hatte. Vermutlich hat er sein
ganzes Leben lang – bis heute – gedacht, er sei ein Husky. Heute ist er ungefähr 13 Jahre alt und mittlerweile Herz-
und Nierenkrank. Es bricht meinen Kindern und mir das Herz zu wissen, dass er
wahrscheinlich nicht mehr so lange bei uns sein wird. Aber wir werden ihm die
Zeit, die ihm bei uns noch bleibt, so schön wie möglich machen. Ich denke,
sein Leben mit uns war nicht das Schlechteste und unser Leben mit ihm hätte
nicht besser sein können. Er ist und bleibt „everybody’s Darling“. |